N°5 | Wahrnehmung

Beitrags-Serie | Corona-Juwel

Das Leben hat sich verändert – das stimmt.

Dasselbe Leben hätte sich auch ohne die Ereignisse der letzten Monate verändert – es wäre uns womöglich erst zeitverzögert oder auch gar nicht aufgefallen.

Entscheidend bei diesen Veränderungen sind jedoch die unterschiedlichsten Emotionen, die scheinbar geballt aufeinanderprallten. Wir wurden von einer Welle dieser überrollt und fühlten uns zeitweise handlungsunfähig.

| Welche Gemütsbewegungen waren oder sind es, die ich für mich benennen kann?

Diese Frage darf sich jeder von uns selbst stellen sowie ihrer Antwort nachfühlen. Mit sich in Verbindung kommen. Diese Emotionen annehmen, wie sie sind – damit er/sie sagen kann:

„Es ist in Ordnung, wie ich gerade fühle!“

Natürlich wird sich dieser Satz ungewohnt oder fremd anfühlen, wenn wir ihn in einen Kontext setzten, in dem es uns bisher vergönnt war so empfinden zu können oder gar zu dürfen.

Auch die bisherigen Denkweisen dürfen wir annehmen, da sie zu unserer Geschichte dazugehören. Gleichzeitig haben wir an jedem neuen Tag die Möglichkeit, unsere störenden Muster in Frage zu stellen, um Hindernissen auf dem Weg wohlgesonnen zu begegnen. Wer weiß, ob wir diese als solche immer noch wahrnehmen werden, nachdem wir sie hinterfragt haben.

| Wer oder was hindert uns daran, einen Widerstand als einen Hinweis zu betrachten?

Wir selbst sind es! Niemand sonst kann uns daran hindern, uns selbst Fragen zu stellen und zu reflektieren. Jeder Mensch ist in dieser Hinsicht frei und darf diese Freiheit jederzeit auskosten. Ob wir davon Gebrauch machen oder nicht, liegt nicht an unserer „Umwelt“.

Veränderungen

… sind die beständigsten Konstanten in unseren Leben, die wir gewiss unterschiedlich bewerten und einschätzen. Auch das dürfen wir nach Belieben tun. Dabei ist es sinnvoll nach der Angemessenheit unserer Gedanken zu schauen, die uns entweder zur Aktivität oder Passivität verleiten.

Zugegebenermaßen sind Bewertungen sinnvoll und wichtig. Sie vereinfachen unser Leben, da wir durch sie schneller Entscheidungen treffen und scheinbar Unwichtiges ausblenden können. Dennoch kann es hilfreich und bereichernd sein, diesem Impuls zu widerstehen, um veränderte Sichtweisen sowie neue Entwicklungen zuzulassen.

| Wie habe ich gedacht und empfunden als das „Geschehen“ plötzlich vor der eigenen Haustür stattfand?

| Wie denke und empfinde ich jetzt?

In ein paar Wochen hat sich „Die Veränderung“ auch wieder einige Male gewandelt. Die große Unbekannte wurde hinreichend beleuchtet, was stetig zu mehr Klarheit beitrug. Wir erlangten schrittweise die Handlungsfähigkeit zurück – auch wenn im eingeschränkten Rahmen. Diese Bewusstheit lässt uns bis dato besonnener umgehen mit:

| den neuen Gegebenheiten | dem veränderten Alltag | der Übernahme von Verantwortung für uns und andere | den notwendigen Einschränkungen | dem „nicht in der Hand haben“ | sowie mit unseren Emotionen.

Ja, es ist nicht alles rosa! Das war es nie und wird es niemals sein, wenn wir es global betrachten. Der Weitblick eröffnet uns unzählige Perspektiven, löst das Schwarz-Weiß-Denken auf und erlaubt eine angemessene Relativierung.

Eine differenzierte Wahrnehmung…

… wird somit durch eine wertfreie Beobachtung unterstützt. Wir selbst sind für unsere Gefühle und Gedanken verantwortlich, sodass es an uns liegt, wie wir sie wahrnehmen.

Je häufiger es uns gelingt in unseren persönlichen „Alarm-Situationen“ den Fokus auf die Momentaufnahme zu lenken und diese als „ein Bild“ zu betrachten, desto wahrscheinlicher wird die Veränderung im Umgang mit ihnen.

Entscheidend für den Schritt des Hinschauens auf die eigenen Gefühle und die dahinterliegenden Bedürfnisse ist die Verbindung zu sich selbst. Sie ermöglicht Entdeckungen. Sie macht uns zu Sehenden, die sich und andere als eigenständige selbstverantwortliche Individuen wertschätzen.

Ich durfte viele Erfahrungen und Veränderungen mit und in mir wahrnehmen in den letzten zwei Jahren. Gleichzeitig darf ich meine „Umwelt“ heute mit anderen Augen entdecken, was sehr bereichernd ist.

Ja, ich fühle mich privilegiert in vielerlei Hinsicht, wenn ich meine eigene Situation und mein eigenes Leben betrachte. Eins der wertvollsten Privilegien das ich sehr zu schätzen gelernt habe, ist die Möglichkeit

| meine Gedanken denken,

| meine Gefühle fühlen

  sowie

| mein Leben leben

zu dürfen.

Mit dieser Seite des unvollständigen Juwels möchte ich die Beitrags-Serie abschließen und hoffe dir den einen oder anderen Impuls gegeben zu haben. Vielleicht hat dich ein bestimmter Beitrag besonders angesprochen oder angeregt.

Ich bin dankbar & bleibe neugierig

Markus

PS: Es interessiert mich, was du in Zusammenhang mit dem jeweiligen Beitrag oder Gedanken verbindest. Dein Feedback ist wertvoll für mich, somit bitte ich dich um einen Kommentar unter dem Beitrag, den du als „deinen“ siehst. Lass mich an deinen Gedanken teilhaben.

N°4 | Distanzierte Nähe

Beitrags-Serie | Corona-Juwel

Zu einem der häufigsten Ausdrücke dieser Zeit zählt „Abstand halten“.

Viele Menschen haben es verinnerlicht und kommen den Appellen meistens nach – aus Selbst- und Fremdschutz sowie Solidarität. Einige Artgenossen legen zugleich ein scheinbar reaktantes Verhalten an den Tag. Wahrscheinlich geleitet vom Gefühl sich einen Teil der geraubten Freiheit bewahren oder wiedererlangen zu müssen.

Einerseits würden mich die Gründe dafür interessieren, andererseits wird es natürlich ein unrealistischer Wunsch bleiben, da ich nie mit all den Antworten konfrontiert werde. Für die Betrachtung der nächsten Seite des unfertigen Juwels ist das Wissen um die Gründe unerheblich, sodass ich mich gerne wieder meiner Wahrnehmung zuwende.

Fehlen der Nähe oder fehlende Distanz?

Was an der physischen Nähe lässt uns diese vermissen? Auf diese Frage wird es unzählige Antworten geben. Meine Überlegungen beziehen lediglich einige wenige Bedürfnisse mit ein, die in diesem Zustand unerfüllt bleiben können:

| greifbare Gemeinschaft | erkennbares Mitgefühl | direkt spürbare Verbindung | Verständigung, Kommunikation & Austausch von Angesicht zu Angesicht | gespiegelte Menschlichkeit | Schutz, Sicherheit & Geborgenheit | Zärtlichkeit & Sexualität | Spaß, Freude & Intensität

Die meisten Menschen streben die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft an, da diese ihnen Schutz & Sicherheit, Verbundenheit & Orientierung, sowie Struktur & Stabilität vermittelt. Das Paradoxe an der gegenwärtigen Situation ist jedoch, dass dieselbe Gemeinschaft durch Abstand und Isolation mehr Schutz und Sicherheit für viele gewährleisten kann. Verzicht und Abstand werden zur neuen Orientierung, die veränderte Strukturierungen im Kleinen und im Großen erfordert, um Stabilität sicherstellen zu können.

Mir fällt immer häufiger auf, dass ein gewisser Abstand im Alltag sich sehr angenehm anfühlen kann. Es bedeutet nicht nur Verzicht auf Nähe oder gar soziale Abschottung – Nein.

Distanz bedeutet Respekt.

Es gäbe Bereiche des Zusammenlebens in einer Gesellschaft, in denen ich es begrüßen würde, wenn wenigstens Teile der neuerlernten Regeln beibehalten würden. An dieser Stelle darf jeder seine eigenen Prioritäten setzen.

Fehlende Distanz oder auch Respektlosigkeit beziehen sich nicht ausschließlich auf die körperlichen Aspekte des jeweiligen Verhaltens, sondern auch auf die verbalen, also sprachlichen und inhaltlichen.

| Die Sprache bietet uns so viele Ausdrucksformen, es liegt nicht an ihr selbst diese zu nutzen – es sollte unser Anliegen sein, aus ihr zu schöpfen!

Die Verantwortung für das eigene Verhalten können wir nicht an andere abgeben. Es ist unerheblich in welchem Medium wir kommunizieren, entscheidend ist das Wie. Die gegebene Möglichkeit der Anonymität sollte kein Katalysator sein für:

| Wut | Zorn | Bosheit | Unsicherheit | Verzweiflung | Passivität | Frust | sowie verwandte Gefühlszustände

Ich frage mich, ob es bloß die Einschränkungen der sozialen Direktkontakte und der Aktivitätsmöglichkeiten sind, die zu manchen Widerständen in uns und gleichzeitig zum Auflehnen gegen eine „verordnete“ Distanz führen. Es beschleicht mich noch ein anderer Gedanke in diesem Zusammenhang.

Distanzierte Nähe…

… klingt zunächst abwegig und scheint einen Widerspruch auszudrücken. Einerseits streben wir nach Nähe durch Zugehörigkeit und Gleichheit, andererseits sehnen wir uns nach einer gewissen Distanz durch Autonomie und Individualität.

Durch den angeordneten Rückzug aus der bisherigen Selbstverständlichkeit hat sich der Abstand zu unserem engsten Umfeld drastisch verringert. Die gemeinsame Zeit in den eigenen „vier Wänden“ hat sich potenziert. Noch entscheidender ist die wiedererlangte Nähe zu sich selbst, was für manche Menschen ungewohnt, fremd oder gar schwer auszuhalten sein kann.

Mit Hilfe von unterschiedlichsten Ablenkungsmöglichkeiten und selbsteingebauten „Abstandhaltern“ wurden wir zu Meistern der verdrängten Bewusstheit unseres Selbst:

| Was ist mir wirklich wichtig? | Was macht mich aus? | Was brauche ich um zufrieden zu sein? | Was kann ich selbst zur Veränderung beitragen? | Wie und wann schätze ich den Wert meiner Fähigkeiten und dessen, was ich bereits habe? | Wie fühle ich? | Was würde mir helfen meine Verbindung zu mir selbst zu stärken?

Diese Auflistung können wir beliebig ausweiten, um die hemmenden Hindernisse und aufgebauten Barrieren auf dem Weg erkennen und schrittweise abbauen zu können. Das Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz können wir individuell beeinflussen und dafür selbstverantwortlich Sorge tragen, dass wir die uns zur Verfügung stehende Zeit nutzen.

Neugierde -> Entdeckung -> Bewusstheit -> Entwicklung

Wenn wir neugierig auf uns und auf andere bleiben, bekommen wir die Chance Neues zu entdecken. Die erlangte Bewusstheit über wertvolle Alternativen bereitet den Weg für die persönliche Entwicklung, die uns schließlich neugierig macht auf weitere Schritte.

Es ist nicht egoistisch zunächst genauer auf sich selbst zu schauen, bevor wir den Blick auf andere richten. Im Gegenteil, die eigene Klarheit erweitert die Möglichkeiten des Miteinanders. Durch das Wissen um die eigene Verantwortung wird Veränderung in einer Gemeinschaft denkbar.

Ich bin überzeugt, dass jeder den Glanz dieser Facette seines persönlichen Edelsteins beeinflussen kann. Wenn wir bereit sind darauf hinzuarbeiten, im ersten Schritt die Entfernung zu uns selbst zu verringern, um wieder in Verbindung zu kommen und des Öfteren zu bleiben.

Ich bleibe zuversichtlich

Markus

N°3 | Wertschätzung

Beitrags-Serie | Corona-Juwel

Eingetrübt scheint der blaue Himmel der vergangenen Tage, ebenso wie die zarten Farben des Frühlings, der allgegenwärtig Leben verströmt. Sind das Gedanken oder Empfindungen?

Nur wenig ist noch erlaubt, dafür vieles untersagt – zum Wohle der Allgemeinheit. Gehöre ich zur Allgemeinheit oder zu den Geknechteten?

| Darf ich tatsächlich so wenig, dass es mein Wohlergehen beeinflusst?

Diese Frage kann und darf nicht pauschal beantwortet werden, da jeder lediglich über sein persönliches Empfinden berichten kann. Als Beobachter können wir sinnieren und mutmaßen.

Bevor wir uns der Verlockung hingeben, auf einen der „Meinungs-Schnellzüge“ aufzuspringen, dürfen wir einen Moment innehalten – uns Zeit nehmen dieser Frage nachzugehen.

Jeder für sich, in sich.

Falls die vermeintliche Ungeduld uns die Zeit als verschwendet erscheinen lässt – keine Sorge! Der nächste „Meinungszug“ kommt gewiss, auf den wir aufspringen können, um die fremde Wahrnehmung über die eigene zu stellen.

Da eine Fahrt ins Ungewisse oft mit unangenehmen Gefühlen von Unsicherheit, Furcht und Pessimismus verbunden ist, entscheide ich mich gegen das Aufspringen.

Ich bevorzuge Offenheit und Reflektion als Werkzeuge meiner Neugierde, die zur Entdeckung meiner persönlichen „Wahrheit“ führt. Dabei wird mir bewusst, dass ich trotz der gegebenen Umstände glücklich und zufrieden bin. Das mag an der nicht verlorenen Zuversicht liegen oder an der eigenen Situation, die ich den unzähligen anderen Wirklichkeiten gegenüberstelle:

Erdrückende Einsamkeit | organisatorische Überforderung | verständliche Existenzangst | unmögliches Abschiednehmen | spürbare Verzweiflung | kollektive Hilflosigkeit | lähmende Ohnmacht | Wahl zwischen „Pest und Cholera“, die keine ist | …

Diese unvollständige Auswahl an Zuständen, die bis in die entlegensten Winkel der Erde derzeit vorherrschen, entspricht jenen unzähligen Wirklichkeiten meiner persönlichen Gegenüberstellung.

Beim Schreiben wird mir derweil bewusst, dass diese tatsächlich gelebten Realitäten nicht ausschließlich mit der aktuellen Zeit in Verbindung stehen. Nein!

Es ist das Leben…

… jedes einzelnen Menschen, das so oder so verlaufen kann. Teils scheint es vorbestimmt, teils heraufbeschworen und teils gar selbst erkoren. Im Grunde ist es unerheblich – es sind seit Urzeiten gelebte Emotionen und erlebte Wirklichkeiten.

Meinem Motto entsprechend, entwickle ich aus dieser Perspektive heraus eine tiefe Wertschätzung dessen, was ich habe, was ich lebe, was ich darf.

Erst durch die Existenz des Kontrastes, des Gegensatzes, des Gegengewichts wird Balance oder Gleichgewicht möglich.

Somit liegt es an mir und meiner Wahrnehmung, wie schätzend ich mit dem Wert meiner Selbst sowie meiner persönlichen „Wahrheit“ umgehe.

Eine helle Seite, die beim heutigen Behauen des Brockens zum Vorschein kam. Das Schleifen und das Polieren werden die Intensität des Funkelns erst zu Tage fördern.

Ich bin dankbar.

Markus

PS: Was darfst du?

N°2 | Kontrolle

Beitrags-Serie | Corona-Juwel

Es fiel mir zunächst nicht leicht, mich für die erste Facette des teils behauenen Steins zu entscheiden. Schließlich folgte ich einem Impuls, wie so oft in meinem Leben.

Zunächst möchte ich den Blick auf die schattige oder dunkel gefärbte Fläche richten, die zu den größeren ihrer Art gehört.

„Es nicht in der Hand haben.“

Dieses Gefühl ist den meisten nicht fremd und löst wahrscheinlich Unbehagen aus. Dennoch gehört der Kontrollverlust seit ein paar Wochen zum Alltag vieler Menschen in unserem Umfeld, unserem Land, weltweit.

Die Erkenntnis, nicht alles selbst kontrollieren zu können, bedeutet einerseits Ungewissheit und Unsicherheit, andererseits kann Erleichterung entstehen, wenn der Kontrolldruck von kollektiven Schultern mitgetragen wird.

| Fühlt es sich leichter an, wenn wir unser „Schicksal“ mit Abermillionen teilen und uns dadurch verbunden fühlen?

Meiner Meinung nach, ja. Allerdings hängt es von der persönlichen Einstellung und den äußeren Gegebenheiten ab, was wir in einer Ausnahmesituation sehen wollen oder müssen, wenn die Angst und Verzweiflung in uns die Oberhand gewinnen. Es macht einen Unterschied, ob es uns möglich ist im „Wir“ zu denken und mitzufühlen, oder ob wir uns vorrangig dem „Ich“ widmen. Zunächst verfallen wir meist in die abgespeicherten Automatismen, die Alarm schlagen und uns gerne glauben lassen, es ginge ums nackte Überleben. Geht es in den herausfordernden Situationen wirklich immer darum zu überleben?

Ist es wahr? | Was ist wahr? | Welche Wahrheit ist richtig?

| Ist es die gedachte, die gefühlte oder die gewünschte Wahrheit, die das Prädikat „richtig oder wahr“ verdient?

Schwieriger wird die Beantwortung dieser scheinbar banalen Fragen, wenn uns bewusst wird, dass es nicht „die Wahrheit“ gibt. Die unterschiedlichsten Einflussfaktoren tragen zur Entstehung der eigenen Wirklichkeit bei, sodass jeder von uns eine andere Vorstellung davon in sich trägt. Manche Sätze der vergangenen Tage und Wochen kommen uns bekannt vor:

„Ich glaube nicht, dass es so schlimm ist oder wird, wie es aus allen Kanälen hinausposaunt!“ – um mir selbst Sicherheit zu suggerieren.

„Ich werde mich mit allem eindecken, was ich zum Überleben brauchen werde!“ – ohne den Zeitraum zu kennen.

„Aber ich muss doch etwas tun um dem Unvermeidlichen entrinnen zu können!“ – um Handlungsfähigkeit und Kontrolle behalten zu können.

„Ich will selbst entscheiden!“ – um mich nicht ausgeliefert fühlen zu müssen.

„Ich bin schließlich auch ein Teil der Gesellschaft und genau so wichtig, wie jede/r andere/r auch!“

Dem letzten Satz kann ich an dieser Stelle gerne zustimmen. „Kollektiv“ bedeutet nicht ohne Grund:

miteinander | untereinander | vereinigt | gegenseitig | vereint | gemeinschaftlich.

Das Dunkle am Kontrollverlust sind die wahrscheinlichen Störungen in der Verbindung zu unserer Ratio, die für vernünftige Gedanken sowie situationsangemessene Verhaltensweisen verantwortlich ist. Unsere Emotionen und Wahrnehmungen aktivieren den Obacht-Modus, sodass wir allzeit bereit sind für den Überlebenskampf – ICH muss!

Sich dessen bewusst zu sein, …

…, nicht alles kontrollieren zu können oder zu müssen, bringt für mich persönlich eine spürbare Entlastung mit sich. Es wird immer wieder Situationen oder Gegebenheiten geben, deren Beeinflussung nicht „in unserer Hand“ liegen wird. Dann werden wir uns wieder entscheiden dürfen, zwischen einem irrational getriebenen Agieren und der besonnenen Fähigkeit nach alternativen Lösungen zu suchen, ohne vorschnell auszubrennen. Diese Möglichkeit führt zu einem Gefühl einer tatsächlichen Handlungsfähigkeit, gleichzeitig zum gestärkten Vertrauen – in uns selbst, in andere Menschen und in die Gesellschaft.

Das Leben nimmt gewiss auch dann seinen Lauf, wenn diese Bewusstheit einkehrt und wir dem Drang nach Kontrolle widerstehen. Womöglich lebt es sich dann auch in solchen herausfordernden und ungewissen Phasen des Lebens ein Stück weit gelassener, besonnener und bewusster. Es kostet nicht viel, es auf einen Versuch ankommen zu lassen – lediglich etwas Mut mit einer Prise Neugierde.

Die Farbzuschreibung der soeben beleuchteten Seite des entstehenden Juwels liegt beim jeweiligen Betrachter, ebenso wie der Fokus, den er auf dessen Schattierungen richtet.

Ich freue mich auf weitere Entdeckungen.

Markus

N°1 | Dicker Brocken

Beitrags-Serie | Corona-Juwel

Bereits vorletzte Woche dachte ich:

„Da ist uns ein dicker Brocken vor die Füße geknallt.“

Jeden Tag wuchs das Bild dieses Gebildes in meinem Kopf – wurde größer, bedrohlicher und atemraubender. Nach einer „internen Prüfung“ meiner Handlungsoptionen hinsichtlich einer Umkehrung des Gegebenen, wurde mir klar: „Du hast jetzt vorerst zwei Möglichkeiten zu denken und demnach zu handeln.“

Die Option des Fatalismus war für mich zügig vom Tisch, auch wenn es zunächst verlockend erschien, mich auf diese einzulassen und zu treiben, auf dem Meer aus:

Nachrichtenflut | faktischen und ungewissen Szenarien | instinktivem Verhalten in Teilen der Gesellschaft | sowie trüben Gedanken.

Schließlich entschied ich mich, meinem Motto treu zu bleiben und meiner Neugierde zu folgen. Meine Beobachtungen haben dem Verhalten gegolten, das sich dynamisch veränderte – dem der Mitmenschen, dem der Entscheidungsträger ebenso wie dem eigenem.

Ein Geflecht aus angemessenem Realismus, gesunder Anteilnahme sowie Empathie und Selbstempathie hilft mir nun beim Sieben der Informationen, Emotionen und Gedanken. Dieser Filter unterstützt mich dabei klarer zu sehen, mich situationsentsprechend zu verhalten und darüber hinaus mich auch an der Lebendigkeit um mich herum zu erfreuen.

Ich gebe zu, zeitweilig beschlich mich ein Gefühl des Schams. Ich hinterfragte meine Freude, meine unangebrachte Gelassenheit und meine Huldigung des Schönen.

„Halt! Das stimmt nicht.“, ertönte in mir.

„Ich darf das Leben, die Schönheit und die Natur feiern – ohne die Ernsthaftigkeit zu verkennen.

Ich darf Gelassenheit fühlen – ohne Naivität und Respektlosigkeit.

Ich darf nach dem Schönen suchen und es wertschätzen – ohne die Ängste, das Leid und die Hilflosigkeit zu übergehen oder gar zu ignorieren.“

Diese Bewusstheit ließ die gefühlte Schwere schrittweise weichen. Die Akzeptanz dessen, was ist, sowie die Offenheit dem gegenüber, was kommt, ermöglichen mir besonnen nach vorn zu schauen.

Während der turbulenten Zeit stelle ich mir oft die Fragen:

| Wie kann ich es aus einer anderen Perspektive betrachten?

| Welche alternativen Bilder kann ich schaffen um neugierig zu bleiben?

| Was erkenne ich persönlich als positiv und lebendig in all dem Umbruch, der Unsicherheit und der Surrealität?

Vor meinem geistigen Auge entstand recht früh ein Bild, bei dem ich mich selbst gefragt habe, ob es womöglich widersprüchlich oder gar verwerflich sei. Im ersten Moment mag es provokativ oder unangebracht erscheinen – das stimmt, wenn ich oberflächlich auf diesen Begriff schauen würde.

Das „Corona-Juwel“ assoziiere ich persönlich mit den zahlreichen Facetten und unterschiedlichen Farbnuancen, der momentanen Herausforderungen sowie der Veränderungen, die erhebliche Folgen bis weit in unsere Zukunft haben können | haben werden | haben müssen. Die Betrachtung der jeweiligen Seiten sowie deren Bedeutungszuschreibungen sind individuell – wie die Einzigartigkeit jedes einzelnen Betrachters.

Nachfolgend werde ich lediglich die Interpretationen meiner Vorstellungen erörtern oder als Bilder anbieten, deren Hinterfragung nicht nur möglich, sondern auch erwünscht ist. Jeder darf und soll sich selbst seine Sicht der Dinge, seine persönliche Meinung und seine jetzige Perspektive vor Augen führen.

Ich bin davon überzeugt, dass ein Perspektivenwechsel neue Impulse und Veränderungen ermöglichen kann, durch:

alternative An- und Aussichten | inspirierende Vorstellungen | ausgelöste Emotionen oder motivierende Bestätigung der eigenen Wahrnehmung.

24/7 * X

Schicht für Schicht tragen wir Teile der steinernen Außenhülle ab. Weltweite Analysen und Vergleiche helfen uns zu verstehen, ein Stück Kontrolle wiederzuerlangen und Sicherheit zu träumen.

Dabei entdecken wir alle denkbaren Schattierungen der Farbe im Innern des Steins, der ebenso ein Meteorit sein könnte und aus dem dunklen Nichts kommend in unser aller Leben knallte.

Welche Farbe wünschte ich mir zu sehen, wenn ich hineinschauen könnte?

Manch eine Flanke der rauen schwarzen Oberfläche ist frei gelegt und schimmert hell. Andere Stellen lassen eine tiefe Färbung erahnen ohne sie benennen zu können. Vieles ist vage, manches schemenhaft und anderes wiederum vollkommen unklar. Eine Handvoll hell funkelnder Stellen gibt Hoffnung, gleichzeitig bleibt der Wert dessen ungewiss, was irgendwann fortbestehen wird.

Die einzelnen Facetten werden wir in deren Form nur bedingt beeinflussen können. Ihre Brillanz jedoch wird von unseren Fähigkeiten, unseren Anstrengungen, unserem Willen, unserer Beharrlichkeit und der Energie definiert, die wir als Gesellschaften aufbringen werden um diesen „Brocken“ in Zukunft als etwas anderes wahrnehmen zu können.

Vielleicht bleibt es ein unheimlich schwerer Brocken oder ein in Form gehauener Stein.

Was hält uns jedoch davon ab, es zu einem richtungsweisenden Schmuckstück zu machen?

Dieses Juwel könnten wir abschließend in die von unserem Haupt genommene „Krone der Schöpfung“ integrieren, um uns seiner Wertigkeit stets zu entsinnen.

Ich begebe mich auf die Suche nach den Facetten und bleibe neugierig.

Markus

Vorwort zur Beitrags-Serie

Beitrags-Serie | Corona-Juwel

Die Ereignisse der letzten Wochen und die damit einhergehenden Umwälzungen und Veränderungen haben bei mir die unterschiedlichsten Gefühle hervorgerufen.

Anfangs schien alles weit weg. Der Alltag verlief, wie gewohnt und die Welt drehte sich im gleichen Tempo, das mir vertraut war. Fast schleichend und zugleich trügerisch steigerten sich die Erdumdrehungen, sodass Bewusstheit anstelle von Verdrängung trat.

Ein Tsunami aus Berichterstattung und Informationen überflutete jeden neuen Tag, der immer mehr an Normalität einbüßte. Der Pegel blieb nicht nur, er stieg und tut es bis heute – somit dachte ich, die Flut sei in alle Winkel der Gesellschaft eingedrungen und hätte durch ihre Wucht jeden Menschen erreicht. Falsch gedacht.

Mein Unverständnis und Ärger sollen in diesem Beitrag jedoch keinen Platz haben, da ich in den vergangenen Tagen für diese Zustände bereits viel Energie verbraucht habe. Mir wurde bewusst, dass ich diesen Antrieb sinnvoller umsetzen kann und möchte.

Unzählige Gedanken im Hinblick auf den Umgang mit all dem „was ist“ und „was kommen mag“ begleiten mich tagein tagaus, gleichzeitig wirkt es auf mich inspirierend und zum Schreiben anregend.

Somit reifte die Idee zu einer Beitrag-Serie, die ich als Projekt der nächsten Wochen realisieren möchte, um dich und andere Menschen zum Nachdenken und Reflektieren anzuregen. Wir dürfen unseren Blick auch mal auf andere Seiten richten, um einen Perspektivenwechsel zu ermöglichen, lebendigen Vorstellungen Raum zu geben, zu entdecken und neue Ideen zu entwickeln.

Die Beiträge entstehen beim „Tun“ und sind nicht vorgeplant, da ich meinem inneren Impuls folge und es liebe im Prozess zu gestalten.

Ich freue mich auch auf mögliche Kommentare oder Anregungen, die du unter jedem Beitrag teilen kannst, wenn du möchtest.

Womöglich flammt ein Gedanke oder eine Idee in dir auf, die ich in einem zukünftigen Beitrag aufnehmen oder thematisieren kann, wenn es mit dem Gedanken hinter der Beitrags-Serie vereinbar ist. Schreibe mich einfach an.

Ich freue mich und bin gespannt

Markus