Gedanken-Tetris

Ein ereignisreicher Tag liegt hinter mir.

Meine unterschiedlich geformten und gefärbten Gedanken versuchen sinnreich zusammenhängende Reihen zu bilden – wie bei Tetris.

Leider ist das mit den Gedanken nicht so einfach, wie im Spiel.

Meine heutigen Überlegungen bilden folgendes ab, was diesen Tag so irritierend enden lässt…

Ein vermeintlich normaler Morgen | ein Arztbesuch, bei dem die aktuellen Sicherheitsvorkehrungen mich staunen, stutzen und zu gleich spüren ließen | ein fast alltäglicher Gang zur Arbeit, die nicht dem Alltag entsprach | unbeleuchtete, leblose Räumlichkeiten, in denen die vorerst letzten administrativen Schritte vollzogen wurden, bevor der Abschied auf Zeit zur Realität wurde | ein kurzer Austausch mit adäquatem Abstand, Kaffee und Blumen in der Hand | im trauten Heim folgte ein Austausch, eine greifbar gedämpfte und zugleich erregte Atmosphäre | die Sonne schien und der Frühling war spürbar | Pflanzen bekamen einen Frühjahrsschnitt | ein entspannender Spaziergang im Wald und das unbeschwerte Spiel mit dem Hund, der genau wie die gesamte Natur um uns herum, nichts von dem dynamischen Weltgeschehen wahr nahm | der erste Kaffee & Kuchen auf dem Balkon in diesem noch jungen Jahr | unwirkliche Wahrnehmung der Gegenwart | innerer Ärger über das unsoziale Verhalten der Mitmenschen, der letzten Tage | Verfassen eines kurzen Posts aus einem Impuls heraus „Wann wacht ihr auf?“ | am Abend die erste Rede zur Nation der Kanzlerin, die eindringlich an die Vernunft und Verantwortung jedes einzelnen appellierte | um einundzwanzig Uhr das solidarische Klatschen als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für die Mitmenschen, die in dieser Zeit die Funktions- und Handlungsfähigkeit des Systems ermöglichen | schließlich wieder Unmut und Unverständnis über Teile der fortschrittlichen Gesellschaft, deren Verhalten meinen Kopf mit Begriffen flutet wie:

Egoismus | Asozialität | Gleichgültigkeit | Blindheit | Ignoranz | Hochmut

Heute Abend fällt es mir schwer positive Assoziationen zu diesen Begriffen im besagten Zusammenhang zu finden sowie mich mit dem Antrieb und möglichen Beweggründen zu befassen, die zu dieser Einstellung und Handlungsweise führen.

Das irritiert mich ein wenig, da ich in den letzten Jahren gerade das Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen in den Fokus stelle, um diese besser einordnen und begreifen zu können. Verständnis ist hier nicht mit Akzeptanz gleich zu setzen.

Ich nehme dieses Gedanken-Tetris heute als eine Übung an, die herausfordernd war im Hinblick auf die Wertfreiheit den Handelnden gegenüber.

Wer weiß, welche Ressourcen diese Erfahrung freisetzt, um in Zukunft das couragiert anzusprechen, was mir widerstrebt.

Ich bleibe auch heute zuversichtlich

Markus

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